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Systematic Review zum Thema Fremdsprachen

Systematic review Fremdsprachenlernen: Das Wichtigste in Kürze (PDF)

Hintergrund

Die CORECHED hat, gestützt auf Art. 2 (Statut CORECHED) eine Systematic review zum Thema Fremdsprachenlernen in Auftrag gegeben. Mit der Durchführung dieser Review wurde das Danish Clearinghouse for Educational Research, das am erziehungswissenschaftlichen Departement der Universität Aarhus angesiedelt ist, beauftragt.

Was ist eine Systematische Review?

Bei einer Systematic review wird die gesamte verfügbare Forschung zu einem bestimmten Thema nach einem systematischen und methodisch vorgegebenen Verfahren analysiert und zusammengefasst. Dabei geht es primär darum, Studien systematisch auf ihre wissenschaftliche Tauglichkeit zu evaluieren und die existierende Forschungsevidenz zusammenzufassen. Dabei werden nur die methodologisch tauglichen Studien herangezogen.

Gängige Literaturanalysen und Übersichtsarbeiten in der Forschung gehen nicht notwendigerweise systematisch in ihren Analysemethoden vor. So bestehen die meisten Übersichtsarbeiten in der Forschung aus traditionellen Literaturstudien, die normalerweise nur die Ergebnisse eines kleinen Teils der tatsächlich vorhandenen Forschungsevidenz untersuchen. Systematische reviews verfolgen daher einen anderen stärker forschungsanalytisch ausgerichteten Ansatz, der sich v.a. durch folgende Merkmale auszeichnet:
  • Verwendung expliziter, transparenter und erprobter Methoden
  • Der Review-Prozess durchläuft eine standardisierte Reihe von Phasen:
  • Einschluss von Forschung (systematische Recherche-Strategie)
  • Ausschluss von Forschung (systematischer Selektionsprozess)
  • Gewichtung der berücksichtigten Forschung nach qualitativen Kriterien

Dieser Prozess gibt Rechenschaft über die methodischen Entscheide, ist replizierbar und aktualisierbar. Der Review-Prozess wird durch ein Expertenpanel begleitet, das interdisziplinär besetzt ist. An der vorliegenden Systematic review haben folgende Expertinnen und Experten für das Erlernen von Fremdsprachen mitgewirkt: Prof. Teresa Cadierno, Universität Southern Denmark, Prof. Jasone Cenoz, Universität des Baskenlandes, Associate Prof. Søren Wind Esklidsen, Universität Southern Denmark; Prof. Ulrike Jessner-Schmid, Universität Innsbruck. Die berücksichtigte Forschung wird damit einer Mehrfachbeurteilung unterworfen, welche die Neutralität und Reliabilität des Prozesses erhöht. Damit die Review-Berichte relevant und nützlich sind, wird ausserdem auch eine Nutzerbeteiligung durchgeführt.

Eine Systematic review zum Thema Fremdsprachenlernen
Die durch die Systematic review zu beantwortenden Fragen waren gezielt auf die schweizerische Situation des frühen Erlernens von mehr als einer Fremdsprache ab der Primarstufe zugeschnitten: Was weiss man über die Auswirkungen des gleichzeitigen Erlernens mehrerer Sprachen in der Schule, deren Staffelung (Zeitpunkt des Einsetzens der ersten und der zweiten Fremdsprache im Unterricht) oder deren Reihenfolge? Wie sind die Wirkungen des früheren Lernens im Vergleich zum späteren Beginn mit der zweiten Fremdsprache?

Für diese Systematic review wurden insgesamt 7‘114 Publikationen identifiziert. Am Schluss des Auswertungsprozesses blieben noch 70 Arbeiten übrig, die als relevant für die konkrete Fragestellung bezeichnet werden konnten, nach der Qualitätsprüfung verblieben noch 43 Studien. D.h. die Zahl an qualitativ genügenden Studien zur Thematik des gleichzeitigen Erlernens mehrerer Sprachen ist begrenzt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  1. Es gibt wissenschaftlich abgesicherte Hinweise darauf, dass das Erlernen einer Fremdsprache das Erlernen weiterer Fremdsprachen begünstigt.
  2. Eine Überforderung der Schülerinnen und Schüler durch das Erlernen mehrerer Sprachen kann durch wissenschaftliche Studien nicht nachgewiesen werden.
  3. Eine „ideale“ Sprachenabfolge beim Erlernen mehrerer Fremdsprachen kann aus wissenschaftlichen Studien nicht abgeleitet werden.
  4. Verschiedene Studien vergleichen das zeitgleiche frühe Erlernen mehrerer Fremd-sprachen mit einem zeitlich versetzten Erlernen mehrerer Fremdsprachen, bei welchem also die zweite Fremdsprache erst später erlernt wird. Diese Studien finden in der Regel einen schnelleren Lernfortschritt älterer Schülerinnen und Schüler beim Erlernen der zweiten Fremdsprache. Der Befund wird von den Studienautorinnen und -autoren mehrheitlich mit dem höheren allgemeinen und sprachspezifischen Wissen-stand älterer Schülerinnen und Schüler erklärt. Der Befund kann deshalb nicht als Evidenz dafür verstanden werden, dass eine Verschiebung des Zeitpunktes des Erlernens der zweiten Fremdsprache vorteilhafter wäre.
Schlussbericht der Systematic review
Dissegaard, C. B. et al. (2015). A systematic review of the impact of multiple language teaching, prior language experience and acquisition order on students' language proficiency in primary and secondary school. Copenhagen: Danish Clearinghouse for Educational Research.
Impact of multiple language teaching (PDF)

Danish Clearning House for Educational Research, University of Aarhus
Danish Clearing House for Educational Research




Systematic Review zum Thema Dropout

Auftragsvergabe an das Danish Clearing House for Educational Research

Die Auftragsvergabe erfolgte u.a. auch deshalb an das Danish Clearinghouse for Educational Research, weil das dänische Zentrum bei der Review Literatur in den Landessprachen der Schweiz (Deutsch, Französisch und Italienisch) berücksichtigen konnte.
Der Review-Prozess umfasste zwei Phasen: In der ersten Phase wurde ein sogenanntes Systematic Mapping erstellt, bei dem die vorhandene Forschungsliteratur gesichtet und aufgelistet wird. Auf der Basis der Systematic Map wurde entschieden, dass sich die Erstellung eines Syntheseberichts lohne.

Danish Clearing House for Educational Research

Schlussbericht
Diese Systematic Review ist abgeschlossen; der Schlussbericht liegt in Form einer Kurzfassung sowie vollständig als Technical Report vor.

Englische Kurzfassung:
Evidence on Dropout Phenomena at Universities (PDF)

Technical Report (englisch):
What is Dropout? Why does Dropout Occur? What Can be Done by the Universities to Prevent or Reduce it? A systematic review, Danish Clearinghouse for Educational Research (PDF)


OECD/CERI-Review «Educational Research & Development in Switzerland»

Die Schweiz hat sich im Lauf des Jahres 2006 am thematischen Examen der OECD «Educational Research and Development» beteiligt. Ziel dieses durch das Centre for Educational Research and Innovation (CERI) durchgeführten Projekts war die Überprüfung des bestehenden Forschungssystems im Bereich der Bildungswissenschaften. Dabei stand einerseits die Frage im Vordergrund, ob die Bildungswissenschaften, so wie sie in der Schweiz praktiziert werden, in der Lage sind, u.a. das für Politik und Verwaltung nötige Steuerungswisssen zu generieren und den Anliegen der Schulpraxis gerecht zu werden. Zum anderen sollte geklärt werden, ob die schweizerische Forschungs- und Bildungspolitik der Bildungsforschung jene Rahmenbedingungen bietet, welche eine qualitativ und quantitativ hochstehende Forschung erst möglich machen.

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