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OECD/CERI-Review «Educational Research & Development in Switzerland»

1. Auftrag


Die Schweiz hat sich im Lauf des Jahres 2006 am thematischen Examen der OECD «Educational Research and Development» beteiligt. Ziel dieses durch das Centre for Educational Research and Innovation (CERI) durchgeführten Projekts war die Überprüfung des bestehenden Forschungssystems im Bereich der Bildungswissenschaften. Dabei stand einerseits die Frage im Vordergrund, ob die Bildungswissenschaften, so wie sie in der Schweiz praktiziert werden, in der Lage sind, u.a. das für Politik und Verwaltung nötige Steuerungswisssen zu generieren und den Anliegen der Schulpraxis gerecht zu werden. Zum anderen sollte geklärt werden, ob die schweizerische Forschungs- und Bildungspolitik der Bildungsforschung jene Rahmenbedingungen bietet, welche eine qualitativ und quantitativ hochstehende Forschung erst möglich machen.

2. Warum eine Bestandesaufnahme zur Situation der Bildungsforschung?


Politik und Verwaltung stellen in den Disziplinen der Bildungswissenschaften namhafte Auftraggeber dar, machen doch Ressortforschung, Evaluationen und beratungsorientierte Forschung im Vergleich zur Grundlagenforschung einen beträchtlichen Anteil des gegenwärtigen Outputs in der schweizerischen Bildungsforschung aus. Politik und Verwaltung haben folglich ein starkes Interesse an einem gut funktionierenden Wissenschaftssystems in der Bildungsforschung. In Anbetracht der strukturellen Veränderungen in Forschung und Verwaltung (Schaffung neuer Lehrstühle, Einrichtung von Forschungsabteilungen an den Pädagogischen Hochschulen, Reorganisation und Neuausrichtung von Bildungsplanungsabteilungen in den kantonalen Verwaltungen) ist der jetzige Zeitpunkt ideal, eine Bestandesaufnahme zur Situation in der Bildungsforschung vorzunehmen. Hinzu kommen politische Vorstösse wie etwa das vom Nationalrat am 3. Oktober 2003 überwiese Postulat Simoneschi (03.3282), in welchem ein Bericht verlangt wird, der über die Forschung im Bildungsbereich Auskunft geben und eine Gesamtsicht über Akteure, Themen, Mittel liefern soll. Der Bericht soll eine Grundlage für eine bessere Koordination der Politik in der Bildungsforschung schaffen. Zum anderen zählt die regelmässige Beurteilung des Standes und der Entwicklung aller Bereiche der Bildungsforschung sowie das Aufzeigen des Forschungsbedarfs hinsichtlich aktueller Probleme im Bildungswesen gemäss Statut (Art. 2 Abs. 2 des Statuts vom 20. Februar 2001) zu den Kernaufgaben der CORECHED.

3. Review des nationalen Forschungssystems in den Bildungswissenschaften


Nachdem das Centre for Educational Research and Innovation (CERI >>) bei der OECD im Bereich Knowledge Management ein Projekt zur Überprüfung der nationalen Systeme für Forschung und Entwicklung lanciert hat, das bereits von verschiedenen Ländern erfolgreich durchgeführt wurde, hat die CORECHED entschieden, sich namens der Schweiz an diesem Examen zu beteiligen. Der Vorteil des externen Blicks von ausländischen Experten liegt einerseits in der neutralen Beurteilung der schweizerischen Situation, andererseits aber auch im möglichen Wissensgewinn aufgrund der internationalen Vergleichsbasis.

Im vorliegenden Projekt geht es primär um eine Bestandesaufnahme, bei der die strukturellen und institutionellen Rahmenbedingungen sowie die aktuelle Situation der Forschungslandschaft beschrieben werden sollen. Wie sind die Arbeitsbedingungen für die Forschung ausgestaltet? Wie werden Forschungsgelder gesprochen? Wie steht es um die Effizienz der Forschungsförderung im Bereich der Bildungsforschung? Findet eine Koordination der Akteure und Institutionen in Forschung und Entwicklung statt? Eine solche Analyse hat zum Ziel, die Bildungsforschungspolitik in ihrer Funktionsweise zu stärken und damit die Rahmenbedingungen für eine qualitativ hochstehende, effektive und effiziente Bildungsforschung zu verbessern.

4. Expertenbesuch


Im Zentrum der Review stand ein Besuch unabhängiger Experten, die sich während einiger Tage ein Bild vor Ort verschafften, indem sie mit den wichtigsten Akteursgruppen und Institutionen aus der Bildungs-forschung, -verwaltung und -politik zusammentrafen. Die Beobachtungen und die Erkenntnisse der Experten flossen in den Expertenbericht, der u.a. Empfehlungen zuhanden der politischen Entscheidungsträger enthält.

Die Delegation der OECD umfasste folgende Personen:

  • Prof. Francesc PEDRO >>, OECD, CERI, Leiter der Delegation

  • Prof. Andrew POLLARD >>, University of London (UK), Institute of Education

  • Prof. Rudolf TIPPELT >>, Universität München (D), Institut für Pädagogik

  • Prof. Marijk C. VAN DER WENDE >>, University of Twente (NL), Centre for Higher Education Policy Studies (CHEPS)

Der Expertenbesuch fand vom 19. bis 25. April 2006 statt. Die verschiedenen Treffen fanden hauptsächlich in Bern statt. Daneben waren Site-Visits in Neuenburg, Genf und Zürich geplant. Auf dem Programm standen Besuche bei Universitäten, Pädagogischen Hochschulen, spezialisierter Forschungsstellen, kantonalen Bildungsdirektionen, den für Bildungsforschung relevanten Bundesstellen (SBF, BBT, BFS), der EDK, bei zwei Regionalkonferenzen der EDK, bei der SKPH sowie bei den Koordinations- und Dokumentationsstellen IRDP und SKBF.

5. Dokumente


Grundlagenbericht
Ausgangsbasis für den Expertenbesuch bildet der Nationale Grundlagenbericht (Country Background Report). Aufgabe eines solchen Länderberichts, der jeweils nach einheitlichen Richtlinien erstellt wird, ist es, die vorhandene nationale Literatur sowie ggf. existierende Verwaltungsberichte zusammenzufassen und einen ersten Überblick über den offiziellen Wissensstand sowie ein Bild der institutionellen Situation zu liefern.

Der schweizerische Grundlagenbericht wurde im Auftrag der CORECHED durch die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) erstellt. Der Bericht greift u.a. auf einige relevante Dokumente zurück, die teilweise bereits im Auftrag der CORECHED verfasst worden sind. So etwa auf den Bericht  Hofstetter & Schneuwly (2001), Les sciences de l’éducuation en Suisse. Evolution et prospective >>, ferner auf die Stellungnahme des wissenschaftspolitischen Rates der Sozial­wissen­schaften im Auftrag der Gruppe Schuwey (2001), Zukunftsperspektiven für die Schweizer Sozialwissenschaften oder auf die Studie von Hanhart (2001), Untersuchung der Ausgaben für Bildungsforschung in der Schweiz >>

Nationaler Hintergrundbericht: Educational R+D in Switzerland (englisch)


Expertenbericht
Der Bericht wurde von den ausländischen Experten Prof. Tippelt, Prof. Van der Wenke und Prof. Pollard sowie dem Verantwortlichen der OECD, Prof. Pedró, verfasst und im Oktober 2006 vom CERI-Governing Board verabschiedet. Er basiert auf dem Expertenbesuch in der Schweiz vom März 2006.

Expertenbericht: National Review of Educational R+D – Switzerland (englisch)

Pressemitteilung der CORECHED zum OECD-Bericht zur Bildungsforschung in der Schweiz

Pressemitteilung der OECD (englisch)

6. Links
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